Psalmen zwischen Urtext und deutscher Sprache

Die Psalmen gehören zu den ältesten und einflussreichsten Lied- und Gebetstexten der Bibel. Ihr Ursprung liegt überwiegend im biblischen Hebräisch (mit wenigen aramäischen Spuren), also in einer Sprache, deren Bildwelt, Rhythmus und Dichte sich nicht “eins zu eins” ins Deutsche übertragen lassen.

Warum Psalmen zu übersetzen besonders anspruchsvoll ist

Psalmen sind Poesie: Sie arbeiten mit Parallelismen (A // B), Leitwörtern, Klang, Verdichtung, Wiederholung, Kontrast und bewusst offenen Bildern. Übersetzen bedeutet hier immer auch: entscheiden, welche Dimension im Deutschen am stärksten trägt.

Typische Spannungsfelder jeder Psalmenübersetzung:

Was eine gute Psalmenübersetzung leisten muss

Eine gute Psalmenübersetzung hält idealerweise drei Dinge zusammen:

  1. Sinnliche Treue (Bedeutung, Theologie, innere Logik)
  2. Poetische Treue (Bildsprache, Parallelismus, Leitwörter)
  3. Performative Treue (Sprechbarkeit, Atem, Rhythmus – gerade beim Singen)

Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich LYRIS: mit Transparenz über die Grundlagen, mit Respekt vor dem Urtext-Horizont – und mit dem Anspruch, dass der deutsche Text klingt, trägt, bet- und singbar bleibt.

Hinweis zu Textgrundlagen und Rechten

LYRIS verfügt über die Vertonungsrechte am Münsterschwarzacher Psalter. Abdruckrechte (also die Berechtigung, den Psalmtext selbst auf der Website zu veröffentlichen) kann und will der Verlag LYRIS aus nachvollziehbaren Gründen jedoch nicht gewähren.

Da für LYRIS die Bereitstellung des Textes zu den vertonten Psalmen zunehmend wichtig wurde, hat LYRIS entschieden, ab Februar 2026 eine eigene Textfassung zu erarbeiten: die Psalmfassung LYRIS. Sie entsteht auf Basis der gemeinfreien Bibelübersetzung von Hermann Menge (1939) und wird durch sorgfältige Vergleiche mit etablierten Übersetzungen sowie durch sprachliche Feinarbeit ergänzt – mit dem Ziel, einen würdigen, gut verständlichen und gut singbaren Psalmtext bereitzustellen.